Pressemitteilung zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz

Deutsche Mittelbauinitiativen weisen Forderungen der „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“ zurück und fordern Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

Anlässlich der Anhörung zum wissenschaftlichen Nachwuchs und der Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am 29. Juni 2015 sowie vor dem Hintergrund des Briefes der „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“ vom 03. Juni 2015 erklären Mittelbauinitiativen aus Dresden, Leipzig, Münster, Berlin und Mannheim, dass eine baldige Novellierung des Wissenschaftsgesetzes zwingend notwendig sei und begrüßen deshalb die angestoßene Debatte im Bundestag.

Mathias Kuhnt, Sprecher der Mittelbauinitiative Dresden dazu: „Wir wollen einen weiteren Missbrauch des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes verhindern und längerfristige Perspektiven für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erreichen. Die bisher diskutierten Änderungsvorschläge sehen wir als einen Schritt in die richtige Richtung. Der Brief der Allianz der Wissenschaftsorganisationen ist hier aber wenig hilfreich, weil danach weiterhin Missbrauchsmöglichkeiten offen gehalten werden sollen. Deshalb haben wir uns in einem Brief an Johanna Wanka gewandt.“

Die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein Hauptanliegen im WissZeitVG. Daher könne, so die Mittelbauinitiativen, auf eine Verknüpfung von Befristung und Qualifikationsziel nicht verzichtet werden. Dies möchte die Allianz der Wissenschaftsorganisationen gerne verhindern. Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedeute dies aber, dass sie weiterhin oftmals nur kurze Verträge von unterhalb einem Jahr erhalten und dann nicht genügend Zeit haben, ihre Promotion oder Habilitation zu beenden. Mehrjährige Verträge seien jedoch für eine nachhaltig organisierte und hochwertige Wissenschaft unerlässlich.

Außerdem fordert der Vorsitzende der Allianz der Wissenschaftsorganisationen in seinem Brief das Sonderbefristungsrecht des WissZeitVG auch weiterhin für nichtwissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwenden zu können. Für diese entfällt jedoch die Bedingung einer wissenschaftlichen Qualifikation, welche die Begründung für die besondere Befristung ist. „Wir sehen keinen Grund, warum nichtwissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in jahrelanger Unsicherheit arbeiten sollen und damit unter Bedingungen, die woanders undenkbar wären“, so Alexander Yendell, Mitglied der Mittelbauinitiative an der Universität Leipzig.

Yendell erklärt zudem: „Aber auch beim wissenschaftlichen Personal ist eine Befristungsquote von über 90 Prozent nicht hinnehmbar. Es ist kein Wunder, dass topqualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland lieber ins Ausland auswandern, zum Beispiel nach Großbritannien, wo man in der Regel schon in der Postdoc-Phase eine unbefristete Stelle auch neben der Professur erhält. Warum soll das eigentlich nicht auch in Deutschland gehen?“

In ihrem Brief an die Ministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, erklären die Mittelbauinitiativen, dass sie als Ansprechpartner für Hochschulen und Politik bereit stünden. Die Initiativen erwarten von den Koalitionsfraktionen im Bund, dass die Novelle des WissZeitVG noch in diesem Jahr verabschiedet wird und man sich auf zukunftsweisende Eckpunkte vor der Sommerpause einigt. Vera Mütherig, Mitglied der Mittelbauinitiative Münster: „Dass wir ein Problem im Bereich der Befristungspraxis im Wissenschaftsbetrieb haben, wurde allzu oft parteiübergreifend festgestellt. Jetzt gilt es zu handeln!“

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